Wussten Sie eigentlich …
… dass auf die eigenen Stärken und Schwächen, die persönlichen Werte und die jeweiligen Umgebungsbedingungen abgestimmte Wenn-Dann-Pläne sehr helfen, Aussetzer bei der Selbstkontrolle oder fahrlässige Inaktivität zu vermeiden?
Entscheidungen moralisch gut absichern
In der Arbeitswelt ist ethischer Stress ein wichtiger Vorhersageparameter für Mitarbeiter-Erschöpfung, abnehmende Arbeitszufriedenheit, geringere Motivation und steigende Fluktuation. Ethisch wertvolle Entscheidungen richten sich nicht alleine auf die Vermeidung des Schlechten, sondern auf das Anstreben des Guten. Wer fundamentale Entscheidungskriterien wie geltende Regeln, mögliche Konsequenzen und wesentliche Tugenden im Blick behält, wird ethisch Bedenkliches weniger leicht übersehen. Folgende Tests helfen, selbsttäuschende Rationalisierungen zu vermeiden: Der Öffentlichkeitstest regt an sich darüber klarzuwerden, ob man sich gut damit fühlen würde, wenn die eigene aktuelle Entscheidung und die Begründung dafür auf der Titelseite der örtlichen Zeitung veröffentlicht werden würde. Der Generalisierbarkeitstest legt nahe zu prüfen, ob man es begrüßen könnte, dass eine persönliche Entscheidung als Präzedenzfall für alle anderen in einer vergleichbaren Situation dienen sollte. Der Spiegeltest soll prüfen, ob man sich gerne im Spiegel sehen möchte, wenn man eine bestimmte Entscheidung getroffen hat und ob wir die Person sehen, die wir wirklich sein wollen. Stellen Sie sich zudem vor, es gäbe eine Ethikkommission, die Ihre Entscheidung bewerten müsste. Würde Ihre Entscheidung den zum Teil strengen Prüfkriterien genügen? Hätten Sie genügend stichhaltige Argumente für Ihre Entscheidung? Studien belegen, dass der Mensch mit größerer Wahrscheinlichkeit unethische Entscheidungen trifft, wenn er sich gehetzt fühlt oder unter Zeitdruck steht. Tatsächlich müssen aber nur wenige Entscheidungen immer genau in diesem Moment getroffen werden. Die Volksweisheit rät ja dazu, über so manches erst einmal eine Nacht zu schlafen. Abzuraten ist auch davon, sich in bestimmter Weise zu entscheiden, nur weil vermeintlich alle anderen das auch tun. Bleiben Sie eindeutig verantwortlich für Ihre eigenen Belange. Hilfreich ist gute Selbstreflexion, um aus bisherigen Fehlentscheidungen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es braucht dafür auch die Revidierbarkeitskompetenz, denn das Falsche muss nicht immer richtig sein.
Key Takeaway: Es kann nichts schaden, dem eigenen Bauchgefühl, der Intuition zu folgen. Unser heimliches Rechenzentrum verarbeitet differenzierte Informationen, ohne dass uns das bewusst wird. Sobald Sie wieder vor einer Entscheidung stehen, werfen Sie doch eine Münze. Wenn Sie vorher schon wünschen oder hoffen, dass die Münze auf die eine und eben nicht auf die andere Seite fällt, haben Sie Ihre Entscheidung längst getroffen.
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Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger
