Wussten Sie eigentlich …
… dass im ersten Halbjahr 2026 psychische Leiden der Hauptgrund für Krankschreibungen bayerischer Beschäftigter waren? Muskel-Skelett- und Atemwegserkrankungen wurden erstmals als Spitzenreiter abgelöst.
Psyche meldet zunehmend Land unter
Laut DAK stiegen in diesem Jahr die Fehltage wegen Depressionen, Ängsten oder Anpassungsstörungen um 12 Prozent. Steigende Ausfallzeiten belasten zwangsläufig die Gesundheit der Verbleibenden, denn die Aufgaben verteilen sich auf weniger Köpfe. Die Gründe für eine Zunahme psychischer Leiden sind vielfältig. Genauere Diagnosestellungen, Entstigmatisierung, vielfältigere Anlaufstellen machen sich bemerkbar. Andererseits leben wir spätestens seit der Corona-Pandemie in einer Art Dauerkrise, geschürt durch die Kriegsherde, die immer spürbareren Auswirkungen des Klimawandels, die Inflation. Die Angst vor einer unkontrollierbar erscheinenden Zukunft belastet die Psyche stark. Hinzu kommen ausufernde Stressfaktoren wie ständige Erreichbarkeit und Informationsüberflutung durch Internet und Smartphone. Das Privatleben fordert unsere Ressourcen immer mehr, das Arbeitsleben wird für sehr viele zur überfordernden Beanspruchung. Besonders betroffen sind Berufe mit hoher Interaktionsdichte wie Sozial- und Gesundheitsberufe, auch Tätigkeiten in der öffentlichen Verwaltung zählen dazu. Frauen sind häufiger wegen psychischer Probleme krankgeschrieben als Männer. Es gibt keine Impfung gegen psychische Leiden. Insbesondere in der Arbeitswelt werden gezielte Maßnahmen zur Prävention psychischer Erkrankungen immer notwendiger, sind im Grunde unverzichtbar. Der Return on Invest wird mit mindestens 1 : 2,7 beschrieben. Betriebliche Gesundheitsfürsorge ist damit nicht nur eine Good-Will-Aktion, sondern eine betriebswirtschaftlich bedeutsame Größe. Dort, wo proaktiv in die Gesundheit der Mitarbeitenden investiert wird, sinken nicht nur die Fehlzeiten, es führt zu größerer Arbeitszufriedenheit und besserer Mitarbeiterbindung. Eine besondere Form der Wertschätzung ist es obendrein.
Key Takeaway: Betriebliche Gesundheitsfürsorge setzt eine dafür klar positive Entscheidung der Geschäftsleitung voraus. Für die Umsetzung müssen dafür Verantwortliche benannt werden, die über ausreichend Ressourcen und Entscheidungsspielräume verfügen. Probate Mittel sind neben gezielten Führungskräfteentwicklungsprogrammen, Workshopsangebote zur Entwicklung diverser Skills für alle Mitarbeitenden, sowie Angebote von Mediation, Supervision und Coaching. Zunehmend gefragt sind niedrigschwellige psychologische Beratungs- und Hilfeangebote für alle Beschäftigten.
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Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger
