Wussten Sie eigentlich …
… dass 2024 laut Robert-Koch-Institut 40,9 % der erwachsenen Deutschen an einer psychischen Störung litten. Etwa ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen leben mit einer psychischen Störung. Drei Viertel aller psychischen Störungen und Erkrankungen im Lebensverlauf beginnen im Kindes- und Jugendalter.
Psychotherapie für alle?
Psychotherapie ist die Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen sowie seelischer Probleme mithilfe wissenschaftlich anerkannter Methoden. Ziel ist es, Leidenszustände zu lindern, Konflikte zu bewältigen und Verhaltensmuster zu verändern. Die Behandlung erfolgt primär durch Gespräche und praktische Übungen zwischen Patienten und Therapeut. In Deutschland sind vier psychotherapeutische Verfahren wissenschaftlich anerkannt und werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen: Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Analytische Psychotherapie (Psychoanalyse) und Systemische Therapie. Eine krankenkassenfinanzierte Behandlung erfolgt durch ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, sowie durch Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten. Davon abzugrenzen ist die psychiatrische Behandlung. Die Zahlen belegen, dass der Bedarf immer größer wird. Andererseits sind seit vielen Jahren Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sehr lang. Derzeit beträgt die durchschnittliche Wartezeit etwa fünf Monate, wobei in ländlicheren Regionen die Versorgungslage deutlich schlechter ist, als in Ballungszentren. Aktuelle Sparmaßnahmen und Reformen in der gesetzlichen Krankenversicherung sehen Kürzungen und Honorarabsenkungen bei der ambulanten Psychotherapie vor. Das wird die Unterversorgung nur noch verschärfen. Nicht jede seelische Not erfordert aber eine fundierte, oft auch mehrjährige Psychotherapie. Hausärzte leisten ganz häufig sehr viel mehr als nur psychische erste Hilfe. Die Telefonseelsorge berät bei Kummer aller Art. In Bayern nun gut etablierte Krisendienste stehen für akute psychische Probleme zur Verfügung. Ein dichtes Netz an professionell besetzten Beratungsstellen bietet Hilfe für verschiedenste Notlagen. In Betrieben gibt es nun auch häufiger das Angebot psychologischer Erster Hilfe. Leider fehlt es zunehmend an der natürlichsten Form psychischer Stabilisierung, die zwischenmenschliche Zuwendung. In Zeiten allumfassender Digitalisierung und einer Vereinzelung vieler Menschen fehlt ein enorm wichtiges Hausmittel, die manche Psychosklerose (= Verhärtung der Einstellung) wieder flüssig machen kann.
Key Takeaway:
Wenn starke seelische Belastungen über längere Zeit relativ unverändert anhalten und den Alltag stark beeinträchtigen, wenn Sie intensive Traurigkeit, Angst, innere Leere, Reizbarkeit erleben, wenn Sie vermehrt körperliche Probleme ohne identifizierbare Ursachen haben, wenn Ihr Leistungsvermögen spürbar nachlässt und wenn Sie sich von ihrer sozialen Umgebung immer mehr zurückziehen, dann benötigen Sie vermutlich eine Psychotherapie. Der Suchdienst der Psychotherapeutenkammer Bayern hilft bei der Suche nach freien Therapieplätzen.
Wenn Sie mehr zu diesem Thema und über sich selbst erfahren wollen, nutzen Sie die persönlichkeitsbildenden caritasGROW-Angebote (www.caritas-grow.de).
Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger
