Wussten Sie eigentlich …
… dass eine posttraumatische Verbitterungsstörung eine schwere psychische Reaktion auf ein als zutiefst ungerecht oder demütigend empfundenes Lebensereignis ist? Typische Symptome sind quälendes Gedankenkreisen, Wut, Hilflosigkeit und sozialer Rückzug.
Enttäuschungen
Manche Ent-Täuschung setzt eine Täuschung, ein Verkennen der Realität voraus. Enttäuschung ist eine gefühlsmäßige Resonanz auf sich als unerfüllbar erweisende Hoffnungen. Das Auseinanderklaffen von Wunsch und Wirklichkeit wird als schmerzlich und frustrierend erlebt. Das kann zu Groll, Sarkasmus, Rückzug, emotionalen Blockaden oder auch Hilflosigkeit führen. Vielfältige und früh angelegte Ressourcen wirken wie eine Art Schutzimpfung gegen Verbitterung. Enttäuschung entsteht in der Beziehung zwischen zwei Menschen, dem einzelnen und der Welt, aber auch im Verhältnis zu sich selbst. Die Intensität, mit der eine Enttäuschung erlebt wird, hängt von der persönlichen Bedeutung und damit der Wichtigkeit einer Situation ab. Die Verarbeitung von Enttäuschungen ist je nach Persönlichkeitstyp unterschiedlich. Wer im Persönlichkeitstest Big Five auf der Skala Neurotizismus (= emotionale Labilität) hohe Werte erzielt, ist leichter und tiefgreifender enttäuscht. Die Offenheit für neue Erfahrungen hingegen lässt Enttäuschungen leichter überwinden. Das Persönlichkeitsmerkmal Verträglichkeit hilft beim Verzeihen. Es macht einen Unterschied, ob wir Enttäuschungen internal oder external attribuieren. Wenn wir Opfer äußerer Umstände werden, ist das eher akzeptierbar, als wenn wir uns selbst eine Verantwortung oder Schuld zuweisen. Gerade da, wo wir uns als stark sehen, sind wir am schnellsten kränkbar, Angriffe auf unsere zentralen Werte sind besonders schmerzlich. Hilfreich ist ein Growth Mindest, das uns aus Fehlern lernen und weiterentwickeln lässt, wohingegen ein Fixed Mindset dazu führt, uns generell als Fehler zu betrachten. Hinter Enttäuschungen stecken unerfüllte Bedürfnisse aus den Bereichen Sicherheit/Vertrauen, Anerkennung/Wertschätzung, Verbundenheit/Liebe, Autonomie/Respekt. Wenn wir niemals Vorfreude hätten, wären wir besser gegen Enttäuschungen geschützt. Es würde das Leben aber sehr viel ärmer machen, nicht mit guten Erwartungen nach vorne zu schauen. Dennoch haben Hoffnungen keine Garantie auf Erfüllung. Von Illusionen Abstand nehmen zu müssen, des-illusioniert zu werden, heißt auch Realitätsbezug und Bodenhaftung herzustellen, auch wenn das manchmal weh tut. Mal ehrlich: Wann und warum waren Sie sehr von sich selbst enttäuscht?
Key Takeaway:
Zur Bewältigung von Enttäuschungen empfehlen sich vier Schritte: Gefühle zulassen und akzeptieren, denn negative Gefühle sind nach Enttäuschungen ganz einfach normal; dann Erwartungen reflektieren und kritisch analysieren, was genau als enttäuschend erlebt wurde; die Realität akzeptieren und unrealistische Vorstellungen loslassen; daraus lernen und sich neu orientieren.
Wenn Sie mehr zu diesem Thema und über sich selbst erfahren wollen, nutzen Sie die persönlichkeitsbildenden caritasGROW-Angebote (www.caritas-grow.de).
Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger
