Wussten Sie eigentlich …
… dass laut einem aktuellen Spiegelleitartikel auf dem Arbeitsmarkt neuerdings sehr kalter Wind weht? Der Arbeitnehmermarkt wird wieder zum Arbeitgebermarkt, die Machtverhältnisse verschieben sich zugunsten der Arbeitgeber.
Goodbye Feel Good Management?
Unternehmen haben die vier Kostenblöcke Miete/Immobilien, Einkauf, Energie und Personal. An der Stellschraube Personal lässt sich am ehesten drehen. In der Industrie gingen seit 2019 laut dem Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 480.000 Jobs verloren. In der Pflege hingegen nimmt der Bedarf ständig zu. KI wird Arbeitskräfte für Routinetätigkeiten zunehmend ersetzen. Gut qualifizierte Jobsuchende haben oft nicht die Chance, die für eine Einstellung geforderte Berufserfahrung zu sammeln. In einer akademisierten Arbeitswelt besteht zudem die Gefahr, als überqualifiziert zu gelten. Die Baby Boomer machen Platz. Das aber ist keine Jobgarantie für die geburtenschwachen Jahrgänge, da viele freiwerdende Stellen nicht nachbesetzt werden. Die Verbleibenden müssen oft die Aufgaben der abgebauten Stellen übernehmen. Das resultiert in hoher Belastung, wenig erlebter Wertschätzung und folglich abnehmender Motivation. Hinzu kommt die Angst, selbst das nächste Opfer der Stellenstreichungen zu sein. Arbeitsplätze waren noch nie reine Wellness-Oasen. Aktuell aber gibt es zu bisherigen Entwicklungen gegenläufige Trends. Erwartungen an Einstiegsgehälter müssen massiv nach unten korrigiert werden, die Vier-Tage-Woche rückt in weite Ferne, Home-Office wird vom angestrebten Standard öfter zur kritisch zu prüfenden Ausnahme und manche Bonus-Leistungen verschwinden plötzlich vom Radar. Arbeitsharmonie, Feel-Good-Management, New Work haben damit nicht ausgedient, sind aber derzeit deutlich weniger en vogue. Bundeskanzler Merz prangerte wegen zu hoher Krankheitsausfallzeiten eine schlechte Arbeitsmoral an. Der deutsche Arbeitnehmer steht im Verdacht zu verwöhnt, zu faul, zu wenig leistungsbereit zu sein. Das mag eine Seite der Medaille sein. Es ergeben sich offenbar aber mehr High-Pressure-Unternehmen. Der Druck steigt durch mehr Leistungsvorgaben und Ergebniskontrollen, Fehlzeiten werden gründlicher geprüft. Schneller, höher, weiter, mit immer weniger Ressourcen, produziert Konflikte und Frustration. Spannungen nehmen zu, Leistungsbereitschaft nimmt ab, Krankenstände und Fluktuation werden wohl weiter steigen. Arbeit und Führung muss sicher neu gedacht werden. Dennoch sind Identifikation, Regeneration und persönliche Bindung keine Sahnehäubchen, sondern dringend erforderlich.
Key Takeaway:
Im Arbeitsleben werden aus Belastungen oft schwerwiegende Beanspruchungen. Die Ausfallzeiten wegen psychischer Probleme sind anhaltend sehr hoch. Gut qualifizierte Führungskräfte, die sich und andere gesund führen, und gesundheitsfürsorgliche Angebote für die gesamte Mitarbeiterschaft sind kein Rundum-Schutzmantel, aber bei immer härter werdenden Arbeitsbedingungen wichtiger denn je.
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Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger
