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Wussten Sie eigentlich …

… dass Ovid den selbstverliebten Narziss beschrieb, der sich nicht für seine Verehrerinnen und Verehrer interessierte? Nachdem er im Wasser sein Spiegelbild erblickte, verlangte er so sehr nach sich, dass er daran starb. Übrig blieb nur die namensgebende gelbe Blume.

Über gesunden und pathologischen Narzissmus

Wir alle tragen narzisstische Anteile in uns, das ist vorteilhaft. Ein gesundes Selbstbewusstsein, eine angemessene Selbstbezogenheit, um eigene Wünsche und Ziele wahrnehmen, Durchsetzungsfähigkeit und Erfolgsorientierung sind per se positiv. Das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung deckt sich mit gesellschaftlichen Werten wie Ehrgeiz, Leistungsstreben und Erfolg. Narzissten sind oft in Führungspositionen, sind aber häufig miserable Teamplayer. Narzissmus ist eine Mischung aus Großartigkeit im Verhalten oder in der Fantasie, dem Bedürfnis nach Bewunderung und einem Mangel an Empathie. Narzissten neigen zur Selbstüberschätzung. Oft steckt dahinter ein instabiles, brüchiges und verletzliches Selbstwertgefühl. Narzissten sind oft Blender, sind nicht so überragend, wie sie erscheinen, im Gegenteil. Narzissten investieren viel, um bewundert zu werden, das macht sie zu sehr attraktiven Menschen und genau das ist die Falle für ihr jeweiliges Gegenüber. Typische Narzissten wollen am besten immer im Mittelpunkt stehen, es muss stets nach ihren Wünschen gehen, sie müssen immer der/die Bessere sein, sind überaus ehrgeizig, sind dominant, Kritik ist für sie unmöglich, sie meiden echte Nähe, sie sind unehrlich und greifen zu Übertreibungen, sie nutzen andere für ihre eigenen Vorteile aus. Oft benutzen Narzissten ihre Kinder auch als Erfüllungsgehilfen für die eigenen Wünsche. Mit zunehmender Intensität dieser Anteile sprechen wir von narzisstischem Persönlichkeitsstil oder in extremerer Ausprägung von narzisstischer Persönlichkeitsstörung. Die Übergänge sind fließend. Es wird ein grandioser vom vulnerablen Narzissmus, oft auch weiblicher Narzissmus genannt, unterschieden. Letzterer erscheint zunächst eher angepasst, verdeckt, zurückhaltend. Ausgeprägter Narzissmus ist eine Beziehungsstörung. Narzissten sind oft nicht liebenswert, weil sie keine innigen, gegenseitigen, positiv emotionalen Beziehungen leben können. Schuld haben ohnehin immer die anderen. Der narzisstische Mensch ist ein Fass ohne Boden, man kann nie genug Bestätigung oder Bewunderung hineinfüllen, die Unersättlichkeit bleibt. Mal ehrlich: Wie narzisstisch sind Sie? Was wäre das Gegenteil eines ausgemachten Narzissten? Wie gesund wäre das?

Key Takeaway:

Selbstliebe, Selbstwertgefühl, Selbstbehauptung, Selbstfürsorge und Selbstbewusstsein sind nicht gleichzusetzen mit malignem Narzissmus. Eine gesunde Portion „Ich“ tut unserer Seele sehr gut. Vom Narzissmus deutlich abzugrenzen ist auch Charisma. Charismatische Menschen haben eine echte Ausstrahlungskraft, verbunden mit einer guten Anziehungskraft.

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Ihr

Dr. Stefan Gerhardinger