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Wussten Sie eigentlich …

… dass zwanghafte Menschen ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle, Ordnung und Perfektionismus zeigen? Dies kann von harmlosen, gewissenhaften Wesenszügen bis hin zu tiefgreifenden psychiatrischen Krankheitsbildern reichen. 

Festhalten und Kontrollieren oder doch Loslassen?

Es gibt bedeutsame philosophische Fragen des Alltagslebens. Loslassen oder Festhalten ist eine davon. Wir halten an Dingen fest, weil unser Gehirn evolutionär bedingt Sicherheit und Gewohnheit über unser Glück stellt. Das Vertraute gibt uns Halt und schützt uns vor der Angst vor dem Ungewissen. Sehr viele Systeme leben gut von einem ausgewogenen dynamischen Wechselspiel von Variabilität und Stabilität. Welche Type sind Sie? Eher variabel oder eher stabil? Bewahren, Festhalten, Kontrollieren vermittelt auch das Gefühl von Versteh- und Planbarkeit. Es entsteht der Eindruck, die Abläufe im Griff zu haben, was wiederum dem Selbstwert zu nützen scheint. Kontrollfreaks sind jedoch nicht auf der Suche nach Genuss. Innere und äußere Anforderungen münden in automatisierte Abläufe. Wer will schon gerne die Kontrolle verlieren? Dennoch ist Kontrolle oft nur eine Illusion, sie ist nie vollständig möglich, das kann bei hohem Kontrollbedürfnis eine dauerhafte Frustrationsquelle sein. Wahre Sicherheit entsteht durch innere Stabilität. Emotionale Selbstregulation ist die erlernbare Kontrolle des psychischen Innenlebens und erfolgversprechender, als alle Versuche, die Außenwelt in die eigene Schablone zu pressen. Wenn sich ein Kletterer zu sehr seilversichert, ist er zwar safe, kommt aber schwer oder nicht mehr voran, bleibt im selbstkonstruierten Spinnennetz gefangen, das ist nicht sinnvoll. Die Akzeptanz der Unsicherheit ist für viele eine große Herausforderung. Wer sich aber zu sehr auf Kontrolle konzentriert, kann selten den Moment genießen und hat Einbußen in der Lebensfreude. Sisyphos konnte seinen Stein nicht loslassen und musste somit eine qualvolle Strafe der Götter, die er getäuscht und überlistet hatte, erleiden. Womit aber machen Sie sich selbst unnötig zum Sisyphos?

Key Takeaway:

Durchforsten Sie Ihr Mindset und Ihre Gewohnheiten und Sie werden sicher etwas finden, wovon Sie sich besser trennen sollten. Nicht, weil andere das wollen, sondern weil es Ihnen mehr persönliche Freiheit verschafft. Typische Aspekte von Change sind: Belastende Gedanken, alte oder auch verjährte Kränkungen, nicht mehr zeitgemäße eigene Ansprüche und Ziele, historische oder toxische Beziehungen, Schuldgefühle, selbstschädigendes Verhalten. Geben Sie sich die Erlaubnis, die Person zu sein, die Ihnen guttut.

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Ihr

Dr. Stefan Gerhardinger