Wussten Sie eigentlich …
… dass lineare Ziele nicht mehr zu einer immer dynamischeren und damit unvorhersagbareren Welt passen? Le Cunff beschreibt in „Tiny Experiments“ alternative Navigationshilfen zu größerer Freiheit in einer Ziel-besessenen Welt.
Feste Landkarten im Kopf?
Lineare Ziele fokussieren auf die Zukunft und definieren klare Schritte dorthin. Wir folgen damit einer strukturgebenden Landkarte. Fixierte Ziele bergen aber die Gefahr, dass sie Angst produzieren, weil die Zielerreichung außerhalb unserer Komfortzone liegt. Sie können zu Aktionismus verleiten und sie können durch ein übertriebenes Wettbewerbsverhalten auch in soziale Isolation führen. Menschliches Streben ist typabhängig. Hohe Ambitionen und große Neugierde ergeben ein Experimentier-Mindset. Hohe Ambitionen und wenig Neugierde münden in ein Perfektionismus-Mindset. Geringe Neugierde und geringe Ambitionen schaffen ein Zynismus-Mindset. Menschen mit geringen Ambitionen und großer Neugierde liegen im Realitätsflucht-Mindset. Wo sortieren Sie sich ein? Wer von starren Aufmarschplänen zu erlebnisorientierter Entwicklung kommen möchte, braucht so machen Switch im Denken. Persönliches Wachstum vollzieht sich nicht auf einer Leiter von Sprosse zu Sprosse, sondern in Entwicklungsschleifen. Alte Erfolgsstorys recyclen ist nicht wirklich innovativ. Befreit vom selbstauferlegten Zielergebnisdruck können wir freier experimentieren. Die Theorie der kognitiven Skripten benennt drei Prägungen: Das Folge-Script, auch Fortsetzungsfehler genannt, verordnet uns bedingungslose Treue zu bisherigen Abläufen. „Ich war schon immer eher der Ruhige, das steht mir gut“. Wirklich? Das Publikumslieblings-Script passt unser Verhalten an mögliche Erwartungen anderer an. Abweichende Wege könnten ja Ablehnung bedeuten. Das epische Script weist uns an, unseren Leidenschaften zu folgen, unsere Träume zu verwirklichen. Das aber beinhaltet keinerlei Erfolgsgarantie, insbesondere wenn wir keine klare Vorstellung von unseren Leidenschaften und Träumen haben. Wir haben z.B. eine kognitive Landkarte für einen Hausarztbesuch. Wir melden uns an der Rezeption, setzen uns ins Wartezimmer, blättern Zeitschriften durch und werden dann vom Arzt empfangen. Würden wir im Wartezimmer aufgefordert werden, uns schon mal zu entkleiden, würde das nicht zu unserer inneren Landkarte passen.
Key Takeaway:
Vielen Menschen fällt es schwer, sich neue Wege vorstellen und beschreiten zu können. Noch viel mehr Menschen haben erhebliche Probleme damit, sich von alten Konzepten, Laufwegen und Plänen zu trennen, auch wenn diese längst aus der Zeit gefallen sind. Nehmen Sie sich einen Tag Zeit und notieren sie zwischendurch alle Ihre Gedanken und Empfindungen. Was brauchen Sie mehr? Was brauchen Sie weniger? Die Auswertung wird Ihnen interessante Experimentierfelder ausweisen.
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Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger
