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Wussten Sie eigentlich …

… dass laut Gesundheitsatlas Deutschland etwa 9,5 Millionen Menschen im Laufe eines Jahres an einer Depression erkranken? Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bereits Kinder zeigen depressive Symptomatik, im Jugendalter steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich an.

Volkskrankheit Depression!?

Das lateinische Verb de-primere bedeutet herab- oder niederdrücken, herabsetzen, tief in die Erde versenken, tief graben, unterdrücken. Damit ist die Symptomatik einer Depression schon recht gut beschrieben. Eine Melancholie ist eine durch Schwermut, Traurigkeit und Nachdenklichkeit geprägte Gemütsstimmung, die meistens ohne erkennbaren Anlass oder Auslöser auftritt und auch wieder vorübergeht. Depression ist eine psychiatrische Diagnose. Früher unterschied man neurotische, endogene, und somatoforme Depressionen und implizierte damit ein Ursachenverständnis. Heute klassifizieren wir in leichte, mittelgradige und schwere Depressionen, die episodisch oder rezidivierend auftreten können. Eine Dysthymie ist eine eher gering symptomatisch verlaufende depressive Grundstimmung. Bipolare Depressionen sind durch den Wechsel von depressiver und manischer Symptomatik gekennzeichnet. Es gibt genetische Veranlagungen und lebensgeschichtliche Prägungen, die für das Ausbrechen einer Depression verantwortlich sein können. Hormonelle Veränderungen wie etwa bei einer Geburt oder in den Wechseljahren können depressive Symptomatik begünstigen. Hauptsymptome der Depression sind die gedrückte Stimmung, ein wunschloses Unglücklichsein, Freudlosigkeit und Antriebsmangel, ein nicht wollen können. Hinzu kommen Schlafstörungen, veränderter Appetit, nachlassendes sexuelles Verlangen, Konzentrationsprobleme, ständiges Grübeln, geringes Selbstwertgefühl und diffuse körperliche Beschwerden. Die Depression hat viele Gesichter, zeigt sich in unterschiedlichen Gewändern und wird daher oft zunächst nicht als solche erkannt. Burnout gilt als häufig beruflich bedingte Form der Depression. Wir kennen auch hochfunktionale Depressionen, das Leiden versteckt sich hinter einer scheinbar perfekt funktionierenden Fassade. Für Betroffene und Angehörige, das soziale Umfeld ist Depression, trotz der zunehmenden Auftretenshäufigkeit, oft schwer begreifbar. „Die Leute verstehen mich so wenig, dass sie nicht einmal meine Klagen darüber, dass sie mich nicht verstünden, verstehen“ (Soeren Kierkegaard).

Key Takeaway: Wiewohl Depression eine sehr belastende Erkrankung ist und wegen suizidaler Problematik tödlich verlaufen kann, gibt es berechtigte Hoffnung auf deutliche Besserung bis Heilung. Die 1958 etablierten Antidepressiva helfen vielen, aber beileibe nicht allen. Psychotherapie ist kein sofort wirkendes Therapeutikum, hilft aber Betroffenen sehr gut, sich selber besser verstehen zu können, problematische Mechanismen und Denkmuster zu korrigieren und verloren gegangene positive Aktivitäten wieder aufzubauen. Sport wirkt ganz häufig antidepressiv.

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Ihr

Dr. Stefan Gerhardinger