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Wussten Sie eigentlich …

… dass Mikrostressoren oft unter unserem Radar verschwinden? Bei kontinuierlich kleiner Stressauslösung habituiert unser Stress-Reaktions-Kontroll-System und bleibt energiesparend für größere Herausforderungen.

Mikrostress

Im Harvard Business Review „Managing Yourself“ beleuchten Cross und Dillon „The Hidden Toll of Microstress“. Demnach ist großer Stress offensichtlich und deutlich spürbar. Es gibt dafür schnell erkennbar einen “bad guy“, also einen klar identifizierbaren Grund oder Auslöser. Mikrostressoren hingegen sind kleine, oft unmerkliche Verstörungen oder Anforderungen, die mit Tarnkappe geschützt unsere Abwehr umgehen. Für die meisten von uns ist jeder Tag ein Minenfeld mit diesen Nadelstichen in unsere psychische Organisation. Es gibt Mikrostressoren, die unsere Kapazitäten erschöpfen, anstehende Aufgaben zu erledigen, wie etwa Unklarheiten bzgl. Rollen, Aufgaben und Zuständigkeiten. Schädigend sind auch Mikrostressoren, die unsere emotionalen Reserven erschöpfen, z.B. konfliktreiche Konversationen. Dazu kommen Mikrostressoren, eine Herausforderung für unsere Identität sind, wenn wir etwa aufgrund der Umstände nicht die Person sein können, die wir wirklich sein wollen. Bedeutsam sind nur unterschwellig spürbare Angriffe auf unser Selbstvertrauen und Beschädigungen unseres Selbstwerts. Diese Verletzungen können negative Gefühle und Gedanken anderen Gegenüber lange am Leben halten. Derlei Groll ist ein im Hintergrund arbeitender Stressfaktor. Ein eher beiläufiger, aber dennoch verstörender Wortwechsel mit dem Lebenspartner beim Frühstück kann als virulent bleibender leiser Gedanke den ganzen Tag eine kaum wahrnehmbare Störquelle sein. Mikrostressoren summieren sich, das macht sie zwar einzeln gut tolerierbar, aber im Gesamtpaket zur Gesundheitsbelastung. Jeder noch so harmlos erscheinende Mikrostressor bewirkt oft einen Wellen- oder Dominoeffekt. Eine eingegangene E-Mail sorgt zunächst für eine Unterbrechung, erfordert Konzentration, beding ggf. emotionalen Aufruhr, braucht Entscheidungen, die Antwort bindet Zeit, dadurch sind andere parallellaufende Prozesse gestört, Pläne müssen geändert werden. Eine veränderte Prioritätensetzung kann Kollegen oder Kooperationspartner betreffen und dort Verstörungen bewirken, worauf dann eine Reaktion zu erwarten ist, die wiederum einen inneren Bearbeitungskreislauf in Gang setzt. Zunächst nicht erkennbar, wird allmählich unsere Resilienz perforiert, unser Stress-Management erodiert.

Key Takeaway: Gute Strategien der Stressbewältigung können uns anfälliger für Mikrostress machen. Wer viel erträgt, entwickelt allmählich einen veränderten Maßstab für Stress. Manche werden stressblind. Mikrostressoren müssen als solche erkannt werden. Ergo: Sagen Sie sehr viel öfter rechtzeitig „Nein“. Belasten Sie Ihre Mitmenschen nicht mit Mikrostressoren, denn deren Verstörung kommt oft wie ein Bumerang zurück. Ein mehrdimensionales Leben mit Sozialkontakten aus unterschiedlichen Lebenswelten relativiert einzelne Mikrostressoren.

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Ihr

Dr. Stefan Gerhardinger