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Wussten Sie eigentlich …

… dass 68,5% der Erwachsenen in Deutschland schon einmal Schuldgefühle in ihrem Leben empfunden haben. Aktuell empfindet jeder Zehnte Schuldgefühle. Bei einem Viertel sind die Schuldgefühle „eher stark“ oder „sehr stark“.

Schuld bin ich ja selbst!

Die Forschenden der Fachhochschule Erfurt und der SRH Hochschule für Gesundheit fanden zudem heraus, dass sich Frauen und Männer in ihrem Schuldempfinden nicht unterscheiden. Depressive Störungen und Schulderleben korrelieren positiv. Am häufigsten wird Schuld erlebt, weil wir nicht die Wahrheit sagen und weil wir zu wenig Zeit mit Partner oder Familie verbringen. Schuld ist ein sehr unangenehmes, drängendes und damit aktivierendes Gefühl. Das Empfinden von Schuld ist eine Korrekturhilfe für prosoziales Verhalten. Es ist Schuldgefühl von Schuldbewusstsein zu unterscheiden. Wir sind uns der Schuld bewusst, wenn wir tatsächlich jemanden belogen, beschädigt, etwas Wichtiges versäumt haben. Schuldgefühle entstehen, wenn wir innerlich besorgt sind, dass wir jemandem geschadet haben könnten. Gefühle sind wichtige Hinweisgeber, aber nicht automatisch Wahrheiten. Das Survivor Guilt Syndrome beschreibt die Schuld, z.B. eine Katastrophe im Vergleich zu vielen anderen überlebt zu haben. Irrationale Schuldgefühle können in Situationen des Ausgeliefertseins, der Ohnmacht ein hilfloser Versuch sein, die Illusion von Kontrolle und Handlungsfähigkeit zu bewahren. Es gibt die Identifikation mit dem Aggressor. Kinder und Opfer sexuellen Missbrauchs geben sich oft die Schuld für definitiv nicht selbst verschuldete Ereignisse. Wie soll beispielsweise ein Kind verstehen, warum ihm Papa oder Mama so weh tun? Das Unerklärliche wird erklärbar, wenn eigene Schuld dafür verantwortlich gemacht wird, auch wenn das nach objektiven Kriterien völlig absurd ist. Damit gelingt es aber, die verletzenden Eltern wieder in einer verstehbaren Rolle zu erleben. Was bleibt ist ein diffuses, nagendes und mangels Distanz oft lange schwer lösbares Schuldproblem. Bei aufkeimender Schuld sollten Sie zunächst klären, ob Sie erwachsen und reif genug in der jeweiligen Situation waren, ob Sie zurechnungsfähig waren, ob Sie eine Wahlmöglichkeit hatten. Möglicherweise gibt es auch mildernde Umstände, etwa in einem ethischen Dilemma das höherwertig erscheinende Gut verfolgt zu haben. 

Key Takeaway:

Psychologie Heute compact Nr. 83 empfiehlt verschiedene Optionen, wie wir Schuldgefühle ablegen können: Objektiv die tatsächliche Realität hinter der erlebten Schuld checken; das Verschuldete wieder gut machen; Leid (Buße, Strafe) auf sich nehmen; es nie wieder tun (etwas daraus lernen); die eigenen inneren Gesetze prüfen und ggf. verändern; die Schuld zwischen sich und anderen gerecht aufteilen; sich das Recht einräumen, etwas zu verschulden; das wahre Gefühl hinter dem Schuldgefühl erkennen (z.B. Wut, Trauer); sich selbst Mitgefühl entgegenbringen, sich entschuldigen und um Verzeihung bitten.

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Ihr

Dr. Stefan Gerhardinger