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Wussten Sie eigentlich …

… dass projektive Verfahren in der Psychologie Testmethoden sind, die eingesetzt werden, um unbewusste Gedanken, Gefühle und Motive von Personen zu erfassen? Eigene innere Zustände werden auf mehrdeutige Reize projiziert.

Familie in Tieren

Manche Menschen sind schon mit dem Rorschach- oder auch Tintenklecks-Test in Berührung gekommen. Familie in Tieren ist ein projektives Verfahren, das vor allem in der Psychotherapie bei Kindern zum Einsatz kommt. Die jungen Klienten werden angeleitet sich vorzustellen, ihre Familie sei in Tiere verwandelt worden. Daraufhin sollen sie diese Tiere auf ein Blatt malen. Aus den gewählten Tieren, aus Größen und Abständen, Blickrichtungen und Gruppierungen lassen sich Rückschlüsse auf das Erleben des Kindes, auf bewusste oder unbewusste Wünsche, Ängste, Sorgen oder Nöte ziehen. Dieses Verfahren lässt sich selbstverständlich auch bei Erwachsenen anwenden, die Grundidee bleibt ja die gleiche. Idealerweise sollte die Person, die ein System in Tieren darstellt, selbst die Erläuterungen dazu geben. Interpretationen einer beobachtenden Person, ob Therapeut oder nicht, können genau richtig sein, aber auch weit von der erlebten Realität entfernt sein, können suggestiv sein und damit nur scheinbare Wahrheiten produzieren. Wenn jemand zum Beispiel eine Ziege für ein Systemmitglied wählt, muss das nicht bedeuten, dass damit ein ständiges Meckern zum Ausdruck gebracht wird. Ein Esel ist nicht selbstverständlich dumm, ein Elefant mehr als ein Dickhäuter und eine Schlange ist nicht automatisch falsch. Projektive Verfahren bringen oft ungeahnte Perspektiven zutage, die dann in weiteren Schritten bearbeitet werden wollen. Eine verbesserte, dynamischere Variante des Verfahrens besteht darin, Tiere nicht malen zu lassen, sondern Spielzeugtiere in großer Auswahl zur Verfügung zu stellen. Dann nämlich bleibt die aufstellende Person flexibler, kann Tiere austauschen oder anders positionieren. Nach der ersten Aufstellung kann in einem zweiten Durchgang ein Wunschbild gestellt werden. Wie stehen die Tiere jetzt zueinander, sind es noch dieselben Tiere, kommt ein Tier hinzu? Auch darin können sich bislang nicht geäußerte Wünsche, Bedürfnisse, Hoffnungen, notwendige Korrekturen, unbedingt zu ziehende Grenzen, Sehnsüchte nach Nähe etc. offenbaren.

Key Takeaway: Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Familie in Tieren darzustellen. Familie muss nicht nur die Kernfamilie sein. Vielleicht ist ein Nachbar ein wichtiger Player. Oder Sie stellen Ihr Arbeitssystem, Ihr Team auf. Wer ist da alles im System, in welcher Charakter-Rolle, mit welcher Position? Wer bestimmt dieses System mit, ohne automatisch sichtbar zu sein? Wenn Sie ein Bild von Ihrem Familien- oder Teamsystem haben, lassen sie dasselbe von einer anderen Person darstellen. Ergibt sich ein gleiches oder ähnliches Bild? Wenn nein, was sagen die Unterschiede aus?

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Ihr

 

Dr. Stefan Gerhardinger