Wussten Sie eigentlich …
… dass Supervision eine Form der beruflichen Beratung ist, die zur Reflexion eigenen Handelns anregen und die Qualität professioneller Arbeit sichern und verbessern soll?
Ich sehe was, was du nicht siehst!
Das lateinische Verb super-videre bedeutet „überblicken“. Durch Supervision soll etwas sichtbar, damit be-greifbar und bearbeitbar gemacht werden. Ursprünglich war Supervision in den USA eine Praxisberatung für freiwillige Sozialhelfer und damit Aufsicht und Anleitung durch einen Vorgesetzten. Supervision ist eher im psychosozialen Non-profit-Bereich beheimatet, wohingegen das vergleichbare Format Coaching in der Wirtschaft eine Standardmethode ist. Supervision ist nicht einfach nur teurer Luxus, der es einem größeren Kreis Arbeitender erlaubt, sich im Arbeitsalltag eine Pause zu gönnen, um eigene Befindlichkeiten auszuloten. Formate sind Einzel-, Fall-, Team-, Gruppen- und Lehrsupervision. Eine spezielle Form ist die Intervision, eine kollegiale Supervision ohne externen Supervisor, wie etwa die bei Psychoanalytikern häufig genutzten Balintgruppen. Supervision dient der Qualitätssicherung, aber auch der emotionalen Entlastung und der Stärkung der Psychohygiene. Ziel ist die Verbesserung der Handlungskompetenz, die Steigerung der Arbeitszufriedenheit, die Überprüfung der Wirksamkeit des eigenen professionellen Handelns. Fokussiert wird je nach Supervisionsauftrag die praktische Arbeit, die Fallarbeit, Leistungsverhalten, die Rollen- und Beziehungsdynamik zwischen Mitarbeiter und Klient, Kunde, Patient, die Befindlichkeit der Supervisanden, die Zusammenarbeit im Team, Teamentwicklung und Organisationsentwicklung. Supervision ist eine gemeinsame Suchbewegung mit offenem Ausgang. Es ist davon auszugehen, dass die Lösung für das jeweilige Problem ohnehin im Raum ist, aber mit Hilfe von Supervisoren gegenständlich gemacht wird. Die Grundsätze von Organisationen sind: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ „Das haben wir noch nie so gemacht!“ „Wo kämen wir da hin!“ Supervision kann das scheinbar Selbstverständliche einer kritischen Prüfung unterziehen, schlummernde Potentiale wecken und vom MMM (= man müsste mal) zum WWW (wer, was, wann) führen.
Key Takeaway
Supervisoren bleiben neutral, allparteilich, unabhängig, achten auf Gesprächsregeln und Fairness. Sie sollen vorurteilsfrei Ideen aufgreifen, Denkverbote außer Kraft setzen, informelle Spielregeln wegen fehlender Betriebsblindheit ignorieren. Supervisoren stellen Fragen, die keiner mehr stellt und können damit natürlich auch Staub aufwirbeln. Damit hat ein Supervisor eine Rolle wie das kleine Kind in Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Was alle sehen, spricht das Kind aus: Der Kaiser hat nichts an, er ist ganz einfach nackt.
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Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger