Wussten Sie eigentlich …
… dass Psychotherapie in der Hauptsache eine Erfindung westeuropäischer und aus Europa emigrierter oder auch US-amerikanischer Männer ist? Die Grundlagen wesentlicher noch heute maßgeblicher Psychotherapieformen sind demnach prinzipiell eine männliche Domäne.
Wer war Sigmund Freud?
Sigmund Freud war Jude, Wiener Arzt und sein gesamtes Leben stand offenbar unter dem Diktat eines nahezu unersättlichen Bildungstriebs. Die Liste seiner Publikationen ist lang, sein bedeutendstes Werk ist wohl die 1900 erschienene „Traumdeutung“. Er gilt als der Urvater der Psychotherapie. Wöchentlich fast tägliche „Therapie-Liegungen“ gelten nicht nur als älteste, sondern auch als allgemein bekannteste Form der Psychotherapie. Sein zentrales Ansinnen war die Erforschung, Erklärung und Behandlung von Neurosen, wofür er frühkindliche Konflikte und Traumata als ursächlich betrachtete. 1886 machte er sich in Wien mit eigener Praxis selbständig, ab 1891 lebte und arbeitete er in der Berggasse 19, dort ist ein Freud-Museum eingerichtet. In seinen frühen psychotherapeutischen Ansätzen arbeitete er mit Hypnose, mangels durchschlagenden Erfolgs war bald das unzensierte Sprechen, die freie Assoziation seine Behandlungsmethode.
Den Begriff Psychoanalyse verwendete Freud erstmals 1896. Zentrales Element darin ist die Bewusstmachung von bisher Unbewusstem. Das Unbewusste äußere sich in Träumen, daher seien diese zu analysieren und zu deuten. Es gilt mit Widerständen zu arbeiten, die Verdrängung bewusst zu machen, Übertragungen und Gegenübertragungen in der Arzt-Patient-Beziehung therapeutisch zu nutzen.
Wir verdanken Freud Begriffe und Erklärungen wie die Fehlleistungen, allgemein bekannt ist der Freud`sche Versprecher. Freud definierte ein Instanzen-Modell, bestehend aus Es (das Reich der Triebe und Bedürfnisse), Ich (der kritische Verstand mit Triebaufschub und -verzicht) und Über-Ich (die Moralabteilung mit Geboten und Verboten). Freud war intensiver Zigarrenraucher, insbesondere wenn er am Schreibtisch saß und seine Gedanken zu Papier brachte. Er war 33-mal für den Medizinnobelpreis und einmal für den Literaturnobelpreis nominiert, den Preis allerdings erhielt er nie. Sigmund Freud starb schwer krebskrank 83-jährig 1939 auf eigenen Wusch nach Verabreichung einer Morphium-Dosis im Londoner Exil. Seine Villa in Hamptstead, Maresfield Gardens 20, ist als Museum zu besichtigen, dort steht auch Freunds Behandlungscouch.
Key Takeaway
Wo „Es“ ist, soll „Ich“ werden, forderte Freud von seiner Behandlung. Im Grunde bestand das Ziel seiner Psychotherapie in einer Bewusstmachung verdrängter Impulse und damit in einer sukzessive besseren, realitätsgemäßeren Selbststeuerung. Das ist in modernen Formen der Psychotherapie weiterhin vorrangiges Ziel.
Wenn Sie mehr zu diesem Thema und über sich selbst erfahren wollen, nutzen Sie die persönlichkeitsbildenden caritasGROW-Angebote (www.caritas-grow.de).
Ihr
Dr. Stefan Gerhardinger